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Neue Fahrer für den Bürgerbus gesucht

EXTRA am 26.11.2016 von Tobias Appelt

Um das Nahverkehrsangebot im Stadtteil dauerhaft aufrecht zu erhalten, ist viel ehrenamtlicher Einsatz nötig. Bürokratische Hürden und hohe Werkstattkosten sind zusätzliche Belastungen für den Verein
 

Der Bürgerbus ist in Kettwig ein wichtiger Teil des öffentlichen Nahverkehrs: Wolfgang Orlowski (links) und Fahrer Wolfgang Liebenau vor einem der Busse, die an sechs Tagen pro Woche durch den Stadtteil rollen.    FOTO: HEINZ-WERNER RIECK

Kettwig. Nachdem jüngst in dieser Zeitung zu lesen war, dass neue Fahrer für den Kettwiger Bürgerbus gesucht werden, haben sich sieben Menschen gemeldet. Schon bald werden sie das ehrenamtlich arbeitende Bürgerbus-Team verstärken. „Das ist für uns eine sehr gute Nachricht", sagt Wolfgang Orlowski (74), der Vorsitzende des Bürgerbus-Vereins. Zugleich betont er, dass noch immer weitere Fahrer gesucht werden, um das Angebot in gewohntem Umfang aufrechtzuerhalten. „Es können nicht genug Fahrer sein. Besonders während der Urlaubszeit gibt es immer wieder Engpässe."

42 Fahrer sitzen regelmäßig am Steuer des Bürgerbusses - 39 Männer, drei Frauen. Die meisten von ihnen sind älter als 60 Jahre. Zwölf Fahrer sind seit dem ersten Tag dabei. Zwölf Stunden ist der Bürgerbus an sechs Tagen pro Woche im Einsatz. 144 Kilometer stehen am Ende eines jeden Tages auf dem Tacho. ,Wir brauchen jeden Tag fünf Leute, die bereit sind, den Job zu machen. Das ist eine schwierige Aufgabe". sagt Wolfgang Orlowski.

Vier Personen übernehmen je eine dreistündige Schicht, ein weiterer Fahrer steht auf Abruf bereit, falls etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. „In den ganzen Jahren ist es noch nie vorgekommen, dass eine Fahrt wegen Personalmangels ausgefallen ist", sagt Wolfgang Orlowski. Ob das künftig so bleibt, kann niemand mit Gewissheit sagen. Aktuell sieht sich der Bürgerbus-Verein mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert. „Die Gesundheitsprüfungen, die unsere Fahrer absolvieren müssen. sind verschärft worden". berichtet Orlowski. Besonders die hohen Anforderungen des damit verbundenen Sehtests seien für ältere Fahrer trotz ansonsten guter Fitness eine große Herausforderung. „Ich sehe ja die Notwendigkeit dieser Tests, aber für uns als Bürgerbus ist es eine große Hürde, dass für unsere ehrenamtliche Arbeit die gleichen Hürden gelten wie für Taxi- oder Busfahrer."

2500 Fahrgäste hat der Bürgerbus im Schnitt pro Monat. Seit der Gründung vor mehr als 14 Jahren hat sich das Angebot fest im Stadtteil etabliert. „Ich war vom ersten Augenblick überzeugt, dass der Bürgerbus in Kettwig ein Erfolg werden würde", sagt Wolfgang Orlowski. „Das Angebot passt genau in unser Dorf. Wir haben hier einen sehr guten Zusammenhalt. Da sind viele bereit, in ihrem Stadtteil ein Ehrenamt zu übernehmen."

Auch wenn die Fahrer kein Geld für ihren Einsatz wollen, fallen regelmäßige Kosten beim Betreiberverein an: etwa für Benzin, Reinigung und Wartung. In diesem Jahr schlugen dann aber Reparaturkosten in unerwarteter Höhe zu Buche. 15.000 Euro musste der Verein aufwenden, um seine 170 PS starken Mercedes-Sprinter am Laufen zu halten. ,Wenn wir diese Kosten im kommenden Jahr noch einmal haben, dann wird es eng", sagt Wolfgang Orlowski. „Leider sind die Fahrzeuge aufgrund der Strecken-Topographie sehr reparaturanfällig."

Die meiste Zeit ist der Bürgerbus in Tempo-30-Zonen unterwegs. Enge Straßen, steile Steigungen. Selten werde bei den Fahrten höher geschaltet als in den zweiten Gang. „Dadurch kann der Motor verrußen", beschreibt Wolfgang Orlowski den Grund für die aufwändige Reparatur. Der oft schlechte Zustand der Straßen habe sich zudem nachteilig auf die Stoßdämpfer ausgewirkt. Die Folge: Werkstattkosten, die höher waren als die Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf.

„Wir fahren grundsätzlich ohne städtische Subventionen", betont Orlowski. „Aber in diesem Jahr mussten wir erstmalig einen Reparaturkostenzuschuss beim Land beantragen."

Der Bürgerbus finanziert sich zum Teil auch über Werbeplätze am Fahrzeug. Die Preise dafür beginnen bei 100 Euro pro Monat. Die Namen treuer Unterstutzer prangen seit vielen Jahren am Bus. „Wenn das Sponsorengeld wegfiele, dann stünde der Bürgerbus richtig auf der Kippe", sagt Wolfgang Orlowski. „Ohne dieses Geld ginge das alles überhaupt nicht."

Bürgerbus-Fahrer werden
  • Jeder, der einen Führerschein der Klasse B, früher „Klasse 3", besitzt, kann das Bürgerbus-Team als Fahrer unterstützen. Alle Kosten die bei der Vorbereitung der Fahrertätigkeit anfallen, übernimmt der Verein.
  • Informationen im Netz: www.buergerbus-kettwig.de. Kontakt per E-Mail: orle@buergerbus-kettwig.de. Der Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Orlowski, ist auch telefonisch erreichbar:  0172 2606869.

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Veröffentlicht
13:02:48 25.11.2016